Volumenlizenzen erklärt: CSP, Open Value und was Unternehmen heute wissen müssen

Wer Volumenlizenzen kaufen möchte, stößt schnell auf ein Kürzelgewirr: CSP, Open Value, Open License, Select Plus, EA. Manche dieser Programme gibt es noch, andere hat Microsoft längst eingestellt – und für den Gebrauchtmarkt spielen Volumenlizenzen eine Sonderrolle, die viele IT-Verantwortliche unterschätzen.

Dieser Beitrag ordnet die Programme ein, erklärt die praktischen Unterschiede und zeigt, warum gerade Volumenlizenzen der eigentliche Kern des Gebrauchtsoftware-Marktes sind.

1. Was eine Volumenlizenz von anderen Lizenzarten unterscheidet

Microsoft vertreibt Software über drei grundsätzlich verschiedene Wege. Der Unterschied ist nicht nur kaufmännisch, sondern entscheidet auch über Übertragbarkeit und Nutzungsrechte:

MerkmalVolumenlizenzRetail (Einzelhandel)OEM
BezugswegMicrosoft-Lizenzprogramme über PartnerHandel, Microsoft StoreVorinstalliert vom Hardware-Hersteller
MindestabnahmeProgrammabhängig (früher ab 5 Lizenzen)EinzelnPro Gerät
Re-Imaging-RechtJa – ein Installationsabbild für alle GeräteNeinNein
Downgrade-RechtJa – vollständigEingeschränktEingeschränkt
Zentrale VerwaltungJa – über Lizenzportal, KMS/MAK-AktivierungNeinNein
ÜbertragbarkeitJa – auch einzeln aus dem PaketJaNur mit dem Originalgerät
Für Gebrauchthandel geeignetJa – bevorzugte VarianteJaNur mit Hardware

Für Unternehmen ab einer Handvoll Arbeitsplätzen sind Volumenlizenzen aus praktischen Gründen die naheliegende Wahl: Ein Installationsabbild statt Einzelinstallationen, zentrale Aktivierung statt Schlüsselverwaltung pro Gerät, einheitliche Versionsstände statt gewachsener Vielfalt.

2. Welche Programme es heute gibt – und welche eingestellt wurden

Hier entstehen die meisten Missverständnisse, weil im Netz noch zahllose Anleitungen zu Programmen kursieren, die es gar nicht mehr gibt.

Aktuell verfügbar

  • CSP (Cloud Solution Provider): Der heutige Standardweg für kleine und mittlere Unternehmen. Über CSP werden sowohl Cloud-Abonnements als auch unbefristete Kauflizenzen („CSP Perpetual“) bezogen. Der Kauf läuft über einen Microsoft-Partner.
  • Open Value: Für Unternehmen, die Software Assurance benötigen – also den Wartungsvertrag, der unter anderem Versions-Upgrades während der Laufzeit einschließt. Auch Verlängerungen bestehender SA laufen hierüber.
  • Enterprise Agreement (EA): Für größere Organisationen mit entsprechender Mindestgröße. Mehrjährige Rahmenverträge mit umfangreichen Konditionen.

Eingestellt

  • Open License: Über zwei Jahrzehnte der Standardweg für mittelständische Unternehmen, um unbefristete Lizenzen mit Mengenrabatt zu beziehen. Zum 31. Dezember 2021 eingestellt; seit dem 1. Januar 2022 sind über dieses Programm keine Neubestellungen mehr möglich.
  • Open-E: Preislevel innerhalb von Open License für Bildungseinrichtungen, 2022 mit dem Programm eingestellt.

📌 Wichtig für Bestandskunden: Lizenzen, die vor dem 1. Januar 2022 über Open License erworben wurden, bleiben vollständig gültig und dürfen unbefristet weiter genutzt werden. Auch laufende Software-Assurance-Verträge behalten ihre Leistungen bis zum Vertragsende. Was nicht mehr geht: Neubestellungen und die Verlängerung von SA über Open License. Für SA-Verlängerungen steht Open Value zur Verfügung, für neue Dauerlizenzen CSP.

3. Warum Volumenlizenzen für den Gebrauchtmarkt so wichtig sind

Der Handel mit gebrauchten Softwarelizenzen dreht sich zu einem großen Teil um Volumenlizenzen. Dafür gibt es drei Gründe:

Sie sind dokumentierbar

Volumenlizenzen werden über Verträge mit Vertragsnummern bezogen und in Microsofts Lizenzportal registriert. Herkunft, Umfang und Berechtigungen sind damit belegbar – die Grundvoraussetzung für eine lückenlose Lizenzkette. Was dazugehört, beschreibt unser Beitrag Lückenlose Lizenzkette: So sind gebrauchte Lizenzen audit-sicher dokumentiert.

Sie dürfen aufgeteilt werden

Der Bundesgerichtshof hat am 11. Dezember 2014 entschieden (Az. I ZR 8/13), dass Volumenlizenzen aufgespalten und einzeln weiterverkauft werden dürfen – sofern es sich um ein Bündel eigenständiger Nutzungsrechte handelt. Ein Unternehmen, das 100 Office-Lizenzen unter einer Vertragsnummer erworben hat, kann davon also auch 30 abgeben.

⚠️ Die Grenze: Nicht zulässig ist das Aufspalten einer einzelnen Client-Server-Lizenz, die etwa eine bestimmte Zahl gleichzeitiger Zugriffe über einen Server erlaubt, in unabhängige Einzellizenzen. Der Unterschied liegt darin, ob ein Bündel eigenständiger Lizenzen vorliegt oder ein einheitliches Nutzungsrecht mit interner Mengenbegrenzung.

Sie entstehen in großen Mengen

Wenn Unternehmen auf Cloud-Dienste migrieren, Standorte schließen oder fusionieren, werden Volumenlizenzen frei – oft in dreistelliger Stückzahl. Genau daraus speist sich das Angebot auf dem Gebrauchtmarkt.

4. Software Assurance: Was Sie beim Gebrauchtkauf nicht bekommen

Software Assurance (SA) ist Microsofts Wartungsprogramm für Volumenlizenzen. Es umfasst unter anderem das Recht auf neue Hauptversionen während der Vertragslaufzeit sowie zusätzliche Nutzungsrechte.

Für gebrauchte Lizenzen gilt: Software Assurance ist an den ursprünglichen Vertrag gebunden und wird beim Weiterverkauf in der Regel nicht mitübertragen. Wer eine gebrauchte Volumenlizenz erwirbt, erhält die Lizenz für die jeweilige Version – nicht das Recht auf zukünftige Upgrades.

Was das praktisch bedeutet:

  • Kein Nachteil, wenn Sie ohnehin eine feste Version über mehrere Jahre einsetzen möchten – der weit verbreitete Fall bei standardisierten Büroarbeitsplätzen.
  • Relevant, wenn Ihre IT-Strategie darauf ausgelegt ist, jede neue Hauptversion mitzunehmen. Dann sollten Sie die Kosten für SA in den Vergleich einbeziehen.

💼 Best Practice: Prüfen Sie ehrlich, wie oft Sie in den letzten zehn Jahren tatsächlich auf eine neue Office- oder Server-Hauptversion gewechselt sind. In vielen Unternehmen liegt der reale Wechselrhythmus deutlich über der SA-Laufzeit – dann ist der Verzicht auf SA wirtschaftlich die bessere Entscheidung.

5. Downgrade-Rechte: Ein unterschätzter Vorteil

Volumenlizenzen beinhalten ein vollständiges Downgrade-Recht. Sie dürfen also eine ältere Version installieren, als die Lizenz eigentlich abdeckt.

Beispiele:

  • Mit einer Office-LTSC-2024-Volumenlizenz dürfen Sie Office 2021 oder 2019 installieren.
  • Mit einer Windows-Server-2025-Lizenz dürfen Sie Windows Server 2022, 2019 oder 2016 in derselben oder einer niedrigeren Edition betreiben.

Das ist besonders dann nützlich, wenn Ihre bestehende Infrastruktur eine bestimmte Version voraussetzt, Sie sich aber die Option auf einen späteren Wechsel offenhalten möchten – ohne dann neu lizenzieren zu müssen.

📌 Zum Ausüben des Downgrade-Rechts benötigen Sie ein Installationsmedium und einen passenden Installationsschlüssel der Zielversion. Die Lizenz selbst bleibt die höhere Version – dokumentieren Sie das entsprechend, damit im Audit klar ist, welches Recht Sie ausüben.

6. Was beim Kauf gebrauchter Volumenlizenzen zu klären ist

  1. Aus welchem Programm stammt die Lizenz? Open License, Open Value, Select oder CSP – die Herkunft gehört zur Dokumentation und sollte benannt werden können.
  2. Liegt die Vertragsnummer vor? Sie ist der Ankerpunkt für die Nachvollziehbarkeit der Lizenz.
  3. Handelt es sich um eigenständige Lizenzen? Nur dann ist eine Aufteilung aus dem ursprünglichen Paket zulässig.
  4. War Software Assurance enthalten – und ist sie noch aktiv? In der Regel wird SA nicht mitübertragen; klären Sie, was konkret Bestandteil des Angebots ist.
  5. Wurde die Lizenz im EWR in Verkehr gebracht? Voraussetzung dafür, dass der Erschöpfungsgrundsatz greift. Die Details dazu in unserem Guide zur Legalität gebrauchter Lizenzen.
  6. Wie erfolgt die Aktivierung? Bei Volumenlizenzen üblicherweise über KMS oder MAK – klären Sie, welches Verfahren zu Ihrer Umgebung passt.

Produktspezifische Hinweise finden Sie in unseren Beiträgen zu gebrauchten Office-Lizenzen und gebrauchten Windows-Lizenzen.


Welches Lizenzmodell passt zu Ihrem Unternehmen?

Wir ordnen Ihre bestehende Lizenzsituation ein, erklären welche Programme für Sie überhaupt in Frage kommen und zeigen, wo gebrauchte Volumenlizenzen wirtschaftlich sinnvoll sind – und wo nicht.

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→ Unsere Microsoft-Produktübersicht zeigt die verfügbaren Lizenzen im Überblick.

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